Morteratsch- und Tschiervagletscher

(von Lars Timm und Kerstin Schiehlen)

Gletscher dokumentieren als Klimazeugen die allgemeinen Erwärmungstendenzen. Die Gletscherzunge des Morteratsch weist ein flaches Profil auf, das typisch für einen Gletscher in der Rückschmelzphase ist. Im Vordergrund von Bild 1, zeigt sich im unteren Zungenbereich Gesteinsschutt, der beim Abschmelzen austaut und beim weiteren Rückzug schließlich vom Gletscher abgesetzt wird. Zwischen Eis und Untergrund bildet sich an der Zunge durch Abschmelzvorgänge und Abfluß ein Spalt.

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Bild 1: Zungenbereich der Moteratschgletschers

Das der Rückzug verstärkt weiter geht läßt sich daran erkennen, das der Persgletscher beginnt vom Morteratschgletscher abzureissen (Bildvergleich: Bild 2 und 3). Am Zusammenfluss der beiden Gletscher (Eisbruch), zeigt sich an einigen Stellen bereits der Felsuntergrund. Wenn diese Entwicklung voranschreitet wird der Persgletscher in einigen Jahren vom Morteratschgletscher abreissen.

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Bild 2 und 3: Übergang Persgletscher - Morteratschgletscher 1996 (linkes Bild) und 1999 (rechtes Bild). Am orographisch rechten Rand reisst der Persgletscher neuerdings vom Morteratschgletscher ab.

Die mächtigen Seitenmoränenwälle die bis 1850 aufgeschüttet wurden, werden heute von der Erosion stark zerschnitten. Vor allem der Abschnitt direkt vor der Gletscherzunge ist davon stark betroffen, weil sich hier wegen des lokalen Kleinklimas (kalte Winde vom Gletscher her) keine schützende Vegetation ausbilden kann. Es bilden sich Racheln und Runsen. Reihen sich diese aneinander, spricht man auch von Orgelpfeifenmoränen. Im direkten Vorfeld zeigt sich, ebenfalls durch das Klima bedingt, keinerlei Vegetation. Die hier abgesetzten fluvioglazialen Schotter bilden teilweise Oser, die aber bereits wieder von Bächen durchschnitten werden. Der Schutt kommt dabei nicht nur vom Gletscher, sondern auch von den zerschnittenen Seitenmoränen, die kleine Schuttkegel bilden. Die Erosionsdynamik im Gletschervorfeld ist sehr ausgeprägt. Innerhalb sehr kurzer Zeit verändern z. B. Bäche ihren Verlauf. Es kommt immer wieder zu kleineren Rutschungen und an den Seitenmoränen gibt es immer wieder Steinschläge.

Zwischen der Station Morteratsch und der Gletscherzunge können unterschiedliche Sukzessionen einer wiederbesiedlung des Gletschervorfeldes idealtypisch beobachtet werden (s. Diaschau 3).

Die gleiche Dynamik weist auch der Tschiervagletscher in seinem Vorfeld auf. Die Seitenmoränen heben sich auch hier deutlich ab (siehe Bild 4). Auch findet man hier die vorher bereits erwähnten Orgelpfeifenmoränen. Als kleine Besonderheit hat der Tschiervagletscher bei seinen Vorstößen eine Moräne aufgebaut, die das Roseggtal quer durchschneidet und dort einen Wall bildet. Oberhalb diese Walls werden die ankommenden Schmelzwässer zu einem See aufgestaut. Auch hier wird durch die Erosionsdynamik der Wall bereits stark zerschnitten. Im weiteren Talverlauf findet man hier verschiedene Generationen von Schotter- und Sanderflächen.

Bild 4: Blick vom Piz Morteratsch auf den Tschiervagletscher. Gut zu erkennen ist die Seitenmoräne, die das Roseggtal abschneidet und einen See entstehen ließ. (Foto Eberle 1996)

 

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Bild 5: Auf dem Morteratschgletscher. Gruppenfoto auf der Zunge des Morteratschgletschers. Viele sind das 1. Mal auf einem Gletscher. Im oberen Teil des Bildes sind auf der Zunge kleinere Schmelzwasserrinnen zu erkennen.

Links:

Gletscherschwundszenarien Morteratsch

Projekt Morteratsch der Kantonsschule Züricher Unterland (KZH)

- direkt zu den Stereobildern vom Morteratsch (KZH) (3-D-Brille erforderlich)

 

Literatur:

MAISCH, M. et al. (1999): Lebendiges Gletschervorfeld. Führer und Begleitbuch zum Gletscherlehrpfad Morteratsch.- Samedan, 138 S.