7. Exkursionstag (29. Juli 2001)

1. Thülsfelder Stausee

Nach dem Verlassen der Hohen Geest bei Damme, wird der Grundmoränenbereich erreicht, der sich aus Teilen der Niederen Geest, aber auch der Hohen Geest zusammensetzt. Die Niedere Geest ist stellenweise vermoort, vor allem in südwestlicher Richtung, wo Hochmoorbereiche in Niedermoore übergehen.
In den Jahren 1924 bis 1927 hat der Oldenburgische Landtag die Talsperre des Thülsfelder Stausees mit Notstandsarbeitern für 3 Mio. Reichsmark erbauen lassen. Da das Relief in diesem flachen Gebiet (20 bis 25m NN) keinen überstaufähigen Raum aufwies, wurde ein Damm um den durch den Aufstau der Soeste entstehenden See gebaut. So entstand ein 462ha großes Areal mit bedeutenden Feuchtgebieten, mit Sand- und Feuchtheide und Waldflächen. Diese Vielzahl an naturräumlichen Gegebenheiten bietet zahlreichen gefährdeten Pflanzen- und Tierarten einen geschützten Standort. Doch hat die Sperre noch eine ganz entscheidende Funktion als Hochwasserentlastungsanlage: Bei der Betrachtung des hydrographischen Netzes der Flüsse in der Umgebung, Marka, Lahe, Soeste, aber auch der Leda im Norden, fällt auf, daß diese nach Nordwesten konvergieren. Sie fließen in einen immer flacher werdenden Bereich ein und kommen immer näher an den Grundwasserspiegel. Da sich der Abflussquerschnitt verengt, ergibt sich bei zunehmender Rückstautendenz die Gefahr der Ausuferung und Überschwemmung. Die Thülsfelder Talsperre bietet heute Schutz vor Hochwasser bis in den Leda-Jümme-Raum.

Neben dem Hochwasserschutz übernimmt die Sperre aber noch andere wichtige Aufgaben:
- durch den Rückstau kann das Niedrigwasser der Soeste erhöht werden
- in Wassermangelzeiten kann der 1935 gebaute Küstenkanal, der den Dortmund-Ems-Kanal mit der Unterweser verbindet, für eine zeitlich begrenzte Menge und Dauer mitversorgt werden. Der zweite Aspekt findet sich im Schutz der Südflanke des Küstenkanals.
- Der Stausee ist ein Anziehungspunkt für Naherholung und Fremdenverkehr.
- Sportfischerei wird am Ostufer betrieben.
Es kann keine Hydroelektrizitätsgewinnung erfolgen, da hierfür das nötige Gefälle fehlt.

Thülsfelder Stausee

Infos zum Ablaßbauwerk

2. Bad Zwischenahn

Bad Zwischenahn - staatlich anerkanntes Moorheilbad im Landkreis Ammerland - ist bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Urlaubsziel. Hauptattraktion und Mittelpunkt der knapp 130 Quadratkilometer großen Gemeinde ist das Zwischenahner Meer - mit 526ha Fläche das drittgrößte Binnengewässer Niedersachsens. Es handelt sich hierbei um einen abgelaugten Salzstock (Wasserzufuhr durch Niederschlag). In einem meridionalen Muster folgen viele dieser halokinetischen Kissen und Horste der Grundstreichrichtung der Mittelmeer-Mjösa Zone. Unter den abgelaugten Zechsteinsalzen liegen Gipse und Anhydrite.
Die Nähe zur Nordsee (ca. 70 Kilometer nördlich) beschert Bad Zwischenahn, das den Titel "Bad" im Jahr 1919 verliehen bekam, ein mildes Reizklima. Die Luft ist durch die fast ständig vorherrschenden Winde nahezu staubfrei und auch im Sommer ozonarm. Daher konnte sich hier heute ein Zentrum mit zahlreichen Kurklinken etablieren, das aber dennoch im Schatten der Nordseebäder steht.

 

3. Knicks

Die sogenannten Knicks (Wallhecken) sind ein weitverbreitetes Phänomen in dieser Gegend. Diese Wälle begrenzen einzelne Blockfluren. Sie bestehen aus Lesesteinen (Moränengeschiebe) und erdigem Material. Knicks gibt es seit ungefähr 180 Jahren. Damals wurden sie im Zuge der Verkopplungsgesetze gebaut und dienten dazu, die Allmende zu privatisieren. Ähnliche Strukturen erscheinen auch in Frankreich und Großbritannien. Im Rahmen der Flurbereinigung wurden viele von ihnen abgetragen, weil sie sich störend auswirkten. Heute stehen sie allerdings aus ökologischen und landschaftshistorischen Gründen unter Schutz.

Knick (Wallhecke)

4. Siedlungsgeschichte/ Fehnkultur

Beim Blick auf die Karte fällt auf, dass es hauptsächlich drei Endungen der Ortsnamen gibt: ~stede (Bsp.: Wiefelstede, Westerstede), ~wede (Bsp.: Schwanenwede) und ~felde (Bsp.: Burgfelde, Westerholdsfelde). Erstere deuten auf eine Genese nach Eschsiedlungen. Jüngere Orte enden meist auf ~felde.
Zahlreiche ostfriesische Ortsnamen enden mit der Silbe ~fehn ( Bsp.: Großefehn, Neuefehn etc.). Diese haben ihre Entstehung und Entwicklung in den Niederlanden, sowie im ostfriesisch-oldenburgischen Hochmoorgebiet. "Fehn" ist aus dem Holländischen übernommen und bedeutet dort "Moor".
Im Jahre 1630 entstand dieses neue Siedlungskonzept in Ostfriesland bei Papenburg im Emsland. Auslösende Ursache war die in Folge des 30-jährigen Krieges einsetzende Verteuerung des Brennstoffes Torf, der gewöhnlich aus dem niederländischen Oldambt oder dem Saterland eingeführt wurde. Deswegen besann man sich auf die Möglichkeit, den Torf aus den heimischen ostfriesischen Mooren zu gewinnen. Durch einen planmäßigen Abbau des ostfriesischen Torfes sollte der Brennstoffbedarf der zur damaligen Zeit bedeutenden See- und Handelsstadt Emden gedeckt werden. 1633 entstand Großefehn und bis 1879 weitere 23 Fehne in Ostfriesland und Oldenburg. Diese Fehnsiedlungen haben einen ganz typischen Aufbau: Zunächst wurden schiffbare Kanäle angelegt. Längs dieses Kanals wurden danach Siedlungswillige auf etwa 1,4 – 3,3 Hektar großen Grundstücken als Untererbpächter angesiedelt. Diese sollten die Moorflächen ihres Grundstückes (Moorhufe) abtorfen und das erhaltene Leegmoor urbar machen. Um den nährstoffarmen Boden zu verbessern, wurden Grassoden und Sand untergemischt. Der abgebaute Torf wurde dann auf den Kanälen verschifft. Hauptabnehmer waren Ziegeleien, Glashütten, Brauereien und eisenverarbeitende Betriebe. Wichtige Nebenerwerbsquelle der Arbeiter war damals die Schifffahrt und der Schiffsbau, denn die zugewiesenen Parzellen waren zu klein bemessen. Vielfach wurden diese Tätigkeiten zum Haupterwerbszweig, nachdem der Torfabbau zum Erliegen kam. Heute wohnen dort hauptsächlich Pendler, die in den nächst größeren Städten arbeiten.

Fehnsiedlung

Fehnorte und ihr Gründungsjahr:

Papenburg 1630 Westrhauderfehn 1769
Großefehn 1633 Ostrhauderfehn 1769
Lübbertsfehn 1637 Rhaudermoor 1769
Hüllenerfehn 1639 Ihlowerfehn 1780
Boekzetelerfehn 1647 Berumerfehn 1795
Jheringsfehn 1660 Nordgeorgsfehn 1825
Neuefehn 1660 Südgeorgsfehn 1825
Stikelkamperfehn 1660 Holterfehn 1829
Warsingsfehn 1736 Elisabethfehn 1856
Spetzerfehn 1746 Idafehn 1860

5. Mühlen

Mühlen haben in Nordwestdeutschland in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt. Anfangs waren nur sog. Reibmühlen bekannt. Diese bestanden entweder aus einem flachen, starken Stein (Unterlieger) und einem darauf liegenden gleichfalls flachen, aber dünneren Reibstein (Oberlieger), oder aber aus einem muldenförmig vertieften Stein (Unterlieger), auf dem mit einem rundlichen Stein die Reibarbeit ausgeführt wurde. Einen neue Form war dann die Wassermühle, die bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts die übliche Variante war. Über ein Zahnradwinkelgetriebe wurde ein vertikal gestelltes Mühlenrad in eine Drehbewegung versetzt. Damit war die Grundlage für alle späteren Wasser-, Wind-, Tier- und Handmühlen mit Räderwerk gelegt. Bei den Windmühlen kann man folgende unterscheiden:
- die Bockwind- oder Ständermühle
- die Kokerwind- oder Wippmühle
- die Kappen- oder Turmwindmühle.

Die Bockwindmühle ist heute meist nur noch in Museen zu sehen. Sie verfügte noch nicht über ein drehbares Gehäuse, um die Windmühlenflügel stets in der vorherrschenden Windrichtung stehen zu lassen. Im Mühlenkasten befindet sich sowohl das hölzerne Getriebe als auch der schwere Mahlgang, so dass, um die Mühlenflügel in den Wind zu stellen, die gesamte Mühle gedreht werden musste.
Die Kokerwindmühle stellt eine Weiterentwicklung der urtümlichen Bockwindmühle dar. Im 16. Jahrhundert wurde diese zu einer Entwässerungsmühle umgestaltet.
Zu diesem Zweck wurde der einst massive mächtige Ständer der Bockwindmühle ausgehöhlt und war dadurch in der Lage, die senkrechte Getriebeachse in sich aufzunehmen (wie der Pfeil im Köcher = Koker). Die horizontal gelagerte Mühlenachse der Windmühle übertrug nun die Drehkraft in die Vertikale mit Hilfe der senkrechten Getriebeachse bis zum Erdboden. Dort konnte man nun, was bei der Bockwindmühle nicht möglich war, die horizontal gelagerte Achse des Schöpfrades anschließen. Solche Kokerwindmühlen konnten aber auch als Getreidemühlen eingerichtet werden.
Eine wesentliche Verbesserung der alten Bockwindmühle stellt auch die Kappenwindmühle dar. Die größte Ausbreitung dieses Windmühlentyps erfolgte in Deutschland im 18. Jahrhundert. Dieser Mühlentyp hatte einen mächtigen, nicht drehbaren, starren Unterbau und eine kleine, in die jeweilige Windrichtung zu drehende Kappe. Der Typ der Kappenwindmühle wurde bereits von Leonardo da Vinci (um 1500) skizzenhaft festgehalten. Als der Erfinder einer Kappenwindmühle in Gestalt der Achtkantwindmühle gilt der holländische Ingenieur Jan Adrianz Leegwater (gest. 1605). Daher wird diese Windmühle auch „Holländer“ genannt.

Kappen- oder Turmwindmühle

Kappen- oder Turmwindmühle

6. Timmeler Meer

Dieser ca. 25 Hektar große Binnensee mit Badestrand liegt in der Niederen Geest, wo sich trockene und moorige Konditionen abwechseln. Der See wurde vor etwa acht Jahren künstlich angelegt, d. h. ausgebaggert und ist mit zahlreichen Seitenkanälen verbunden. Freizeitkapitäne können von hier über die Ems zur Nordsee schippern. Am Timmeler Hafen starten regelmäßig Ausflugsfahrten mit einem alten Torfschiff “Gretje”. Der Raum um das Timmeler Meer ist ausgesprochen strukturschwach, daher wird versucht, durch den Tourismus, besonders den Tagestourismus, wirtschaftliche Impulse zu setzten.

7. Leda Sperrwerk bei Leer

Die Leda ist ein Tributär der Ems in die sie bei Leer mündet. Der untere Bereich des Ems ist tide-beeinflusst, wodurch Überflutungsgefahr des Hinterlandes bei Sturmfluten besteht. Zusätzlich kann sich aus dem Inland ein hoher gegengerichteter Abfluss einstellen. Daher sind Reservestau- und Überlaufräume zur Regulierung der Hochwässer nötig. Im August 2000 wurde der Grundstein des Projekts Leda-Schöpfwerk gelegt, das im ersten Quartal 2002 fertiggestellt werden soll. Das Schöpfwerk soll in einer Sekunde 40 Kubikmeter Wasser von einer Seite des Leda-Sperrwerkes auf die andere pumpen können und binnen 24 Stunden 3,5 Millionen Kubikmeter bewegen. Der Zweck des Schöpfwerkes ist es zusätzliches Wasser aus dem Leda-Jümme-Gebiet zur Ems zu pumpen. Damit würde bei geschlossenen Toren des Ems-Sperrrwerkes und des Leda-Sperrwerkes der Stauvorgang beschleunigt, um ein Schiff mit großem Tiefgang von der Meyer Werft überführen zu können. Gerade ein kurzer Stauvorgang von allenfalls drei Tagen soll dazu beitragen, etwaige Umweltbelastungen zu minimieren und die Hafenwirtschaft so wenig wie möglich zu behindern. Eine weitere Funktion ist die o. g. Entlastung des Leda-Jümme-Gebiets bei Sturmfluten: Durch das neue Leda-Schöpfwerk kann künftig binnen eines Tages eine Wassermenge zur Ems gepumpt werden, die dem Fassungsvermögen des gesamten Leeraner Polders entspricht.

Leda Sperrwerk bei Leer

 

letzte Änderung am 10.10.2002
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